Mobile Payment

Digitale Wallets im Alltag: Vor- und Nachteile von Apple Pay und Google Pay

Hand hält ein Smartphone dicht an ein Kartenterminal an einer Bäckereitheke, im Hintergrund unscharf Brotregale, helles Morgenlicht (mit AI erstelltes Bild)

AIMit AI erstelltes Bild

Sechs Monate lang habe ich meine Geldbörse zu Hause gelassen und nur mit dem Smartphone bezahlt: Bäcker, Tankstelle, Bahn, Apotheke, Flohmarkt. Zweimal ging es nicht. Einmal war der Akku leer, einmal akzeptierte ein Hofladen nur Bargeld. Alles andere lief, und zwar schneller als mit der Karte. Trotzdem gibt es Gründe, die Wallet nicht als einzige Zahlungsmethode zu führen.

Dieser Beitrag erklärt, was bei einer Wallet-Zahlung technisch passiert, welche Daten fließen und wo die Unterschiede zwischen Apple Pay und Google Wallet liegen. Wie Sie das Smartphone, das diese Zahlungen ausführt, mit einem zweiten Faktor absichern, beschreibe ich in der Anleitung zur Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Was beim Tippen ans Terminal passiert

Die Wallet speichert nicht Ihre Kartennummer, sondern ein Token, eine Ersatznummer, die nur auf diesem Gerät gültig ist. Beim Bezahlen übermittelt das Smartphone per NFC dieses Token plus einen einmaligen Code an das Terminal. Der Händler sieht Ihre echte Kartennummer nie. Wird das Token gestohlen, ist es außerhalb des Geräts wertlos. Das ist der eigentliche Sicherheitsgewinn gegenüber der physischen Karte, deren Nummer bei jeder Zahlung lesbar ist. Die Freigabe erfolgt per Gesicht, Fingerabdruck oder Code, und ohne Freigabe sendet das Gerät nichts.

Apple Pay und Google Wallet: Die Unterschiede

Technisch sind beide Systeme fast identisch, die Unterschiede liegen in der Datenverarbeitung. Apple betont, Transaktionsdaten nicht zu speichern und nicht für Werbung zu verwenden. Google speichert Transaktionsdetails im Konto, sofern Sie das nicht in den Einstellungen abschalten, und das sollten Sie tun. Bei der Händlerakzeptanz gibt es keinen Unterschied, beide laufen über dieselben Kartennetze. Auf dem iPhone gibt es keine Alternative zu Apple Pay, auf Android können Banken eigene NFC-Apps anbieten, was die Sparkassen lange getan haben, bevor sie zusätzlich Google Wallet unterstützten. Die Sparkassen erklären auf sparkasse.de, wie die Girocard in beiden Wallets hinterlegt wird, was in Deutschland wichtig ist, weil viele Terminals nur Girocard und keine Kreditkarte nehmen.

Wo es im Alltag hakt

  • Akku: Ein leeres Smartphone zahlt nicht. Apple erlaubt Zahlungen mit Restreserve, Android nicht immer.
  • Limits: Manche Banken setzen für Wallet-Zahlungen eigene Tageslimits, die niedriger sind als die Kartenlimits.
  • Browser: Online-Shops zeigen die Wallet oft nur im Safari oder Chrome an, in anderen Browsern fehlt der Knopf.
  • Gerätewechsel: Beim neuen Smartphone müssen alle Karten neu hinterlegt werden, bei manchen Banken mit erneuter Freischaltung per Brief.

Was mit Ihren Daten passiert

Die Bank sieht die Zahlung wie bisher, der Händler sieht ein Token, und der Wallet-Betreiber sieht je nach Einstellung mehr oder weniger. Bei Google lohnt ein Blick in die Kontoaktivitäten, wo Zahlungen auftauchen können, wenn die Personalisierung aktiv ist. Das Magazin Computer Bild hat in einem Praxistest gezeigt, dass die Wallet-Daten nach dem Abschalten der Personalisierung tatsächlich nicht mehr im Aktivitätsverlauf erscheinen. Wer das nicht glaubt, kann es selbst prüfen: einkaufen, dann im Google-Konto nachsehen.

Mein Fazit nach sechs Monaten

Die Wallet ist im Alltag schneller und sicherer als die Karte, und ich werde nicht zurückwechseln. Trotzdem liegt seitdem eine Karte in der Handyhülle, für den leeren Akku, das Terminal ohne NFC und den Hofladen. Wer eine Wallet einrichtet, sollte die Personalisierung prüfen, die Gerätesperre ernst nehmen und wissen, dass beim nächsten Smartphone alles noch einmal von vorn beginnt.